Afterworld: Paradox baut ein Strategiespiel auf den Ruinen der alten Welt
In Afterworld führen wir eine kleine Gruppe Überlebender vom Kampf um Wasser und Nahrung bis zum postapokalyptischen Großreich.
„Afterworld“: Paradox baut ein Strategiespiel auf den Ruinen der alten Welt
Paradox Development Studio verlässt die Geschichtsbücher und schickt uns in ein zerstörtes Nordamerika. „Afterworld“ ist ein postapokalyptisches Globalstrategiespiel, in dem aus einer kleinen Gruppe verzweifelter Überlebender über Generationen ein neues Reich entstehen soll. Der Weg dorthin beginnt nicht mit großen Armeen oder gut gefüllten Staatskassen, sondern mit der Suche nach Wasser, Nahrung, Treibstoff und einem Ort, an dem die erste Siedlung nicht sofort wieder zusammenbricht.
Paradox enthüllte das Spiel am 25. August 2026 während der Opening Night Live der Gamescom. Entwickelt wird es von demselben Studio, das hinter „Crusader Kings 3“ und „Hearts of Iron 4“ steht. Einen Veröffentlichungstermin gibt es noch nicht.
Der offizielle Ankündigungstrailer
Der erste Trailer setzt zunächst auf Atmosphäre: Rostige Fahrzeuge ziehen durch die Wüste, Plünderer kämpfen um die Überreste der alten Welt und schwer bewaffnete Herrscher thronen auf Maschinen, deren Technik kaum noch jemand versteht. Danach weitet sich der Blick auf Nordamerika und zeigt, worum es eigentlich geht – nicht nur um das Überleben einer einzelnen Siedlung, sondern um den langsamen Aufbau einer neuen Zivilisation.
Trailer
Vom Bunker bis zum eigenen Imperium
Eine Partie beginnt lange nach einer Katastrophe, die in der Spielwelt „The Fall“ genannt wird. Der weltumspannende Krieg liegt rund ein Jahrhundert zurück. Die Staaten der alten Welt sind verschwunden, ihre Ruinen, Maschinen und politischen Altlasten prägen das Land aber weiterhin.
Zu Beginn wählen wir eine Herkunft für unseren Stamm. Wir können beispielsweise als Bewohner eines versagenden Atombunkers an die Oberfläche kommen oder eine Gruppe religiöser Wanderer führen, die in den Dustlands nach ihrer Göttin sucht. Weitere Ursprünge sollen unterschiedliche Ausgangslagen und Geschichten bieten.
Aus dieser kleinen Gemeinschaft wächst schrittweise eine politische Macht. Zunächst müssen Unterkünfte errichtet und lebenswichtige Ressourcen gesichert werden. Später verwalten wir mehrere Siedlungen, organisieren Handels- und Versorgungsrouten, schließen Bündnisse und führen Kriege um Gebiete, die noch etwas Wertvolles hergeben.
Der Maßstab verändert sich also während der Partie. „Afterworld“ soll leicht verständlich beginnen und seine komplexeren Systeme erst nach und nach öffnen. Das könnte den Einstieg angenehmer machen als bei manchen anderen Paradox-Spielen, ohne dass das Endspiel auf Diplomatie, Wirtschaft und große Machtkämpfe verzichten muss.
Eine bekannte Karte, aber keine identische Welt
Nordamerika wird in jeder Partie wiederzuerkennen sein. Flüsse, Küsten und die grundlegende Geografie bleiben erhalten. Die Verteilung von Ressourcen, rivalisierenden Stämmen und Gefahren wird dagegen prozedural verändert. Dadurch soll dieselbe Region bei einem Neustart andere Entscheidungen verlangen.
Das Spiel verbindet damit eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte mit der Unberechenbarkeit einer Sandbox. Es gibt feste Fraktionen, Figuren und Überreste aus der Zeit vor dem Untergang. Wie sie auf der Karte aufeinandertreffen und welche Kräfte sich durchsetzen, kann sich jedoch von Partie zu Partie verändern.
Erkundung ist dabei mehr als das Aufdecken unbekannter Felder. In den Ruinen warten alte Technologien, seltene Ressourcen und Hinweise darauf, was die Welt zerstört hat. Gleichzeitig können neue Entdeckungen unmittelbare Folgen für die Entwicklung der eigenen Gesellschaft haben.
Forschung entsteht durch Erfahrung
Besonders interessant klingt der dynamische Ideenbaum. Fortschritt wird nicht ausschließlich über eine klassische Liste abstrakter Technologien freigeschaltet. Was der eigene Stamm lernen kann, hängt auch davon ab, was er in der Welt erlebt.
Wer einen Fluss entdeckt, kann daraus die Idee der Bewässerung entwickeln. Der Kontakt mit einem religiös organisierten Stamm kann das Verständnis einer eigenen institutionalisierten Religion ermöglichen. Wissen entsteht damit aus Begegnungen und konkreten Problemen, anstatt nur nach Ablauf eines Forschungstimers im Menü aufzutauchen.
Auch der Umgang mit Ressourcen bleibt greifbar. Nahrung, Wasser und Treibstoff müssen gefunden, verarbeitet und transportiert werden. Konvois verbinden entfernte Gebiete mit den eigenen Siedlungen und können unterwegs angegriffen werden. Wird eine Region unbrauchbar, lässt sich die gesamte Gemeinschaft an einen anderen Ort führen. Die erste Siedlung muss deshalb nicht automatisch für immer die Hauptstadt bleiben.
Erste Alpha-Szenen zeigen das eigentliche Spiel
Der Ankündigungstrailer vermittelt vor allem die Welt und ihre Stimmung. Mehr vom tatsächlichen Spiel ist im Video des auf Paradox-Spiele spezialisierten YouTubers One Proud Bavarian zu sehen. Das verwendete Alpha-Material zeigt die strategische Karte, Siedlungen, Ereignisse und verschiedene Verwaltungsfenster. Da es sich um eine frühe Version handelt, können sich Benutzeroberfläche, Werte und Spielsysteme bis zur Veröffentlichung noch deutlich verändern.
Auch GameStar konnte „Afterworld“ bereits in Stockholm spielen und mit den Entwicklern sprechen. Ausführliche Eindrücke sollen laut der Redaktion ab dem 1. September veröffentlicht werden. Bis dahin liefert das Alpha-Video den besten verfügbaren Blick auf den tatsächlichen Spielablauf.
Trailer
Gesetze bestimmen, was für ein Volk entsteht
Menschen sind in „Afterworld“ nicht nur eine Zahl neben einem Bevölkerungssymbol. Die Überlebenden schließen sich zu Gruppen mit eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zusammen. Andere Stämme können als Handelspartner gewonnen, in die eigene Gesellschaft aufgenommen, unterworfen oder schlicht ausgeraubt werden.
Mit wachsender Bevölkerung entstehen politische Fragen. Wer erhält knappe Vorräte? Wer darf an Entscheidungen mitwirken? Wie behandelt das neue Reich Mutierte und Menschen, die ihren Körper mit alter Technik verändert haben? Neue Gesetze lösen Probleme, schaffen aber zwangsläufig auch neue Konflikte.
Fehlentscheidungen sollen über Generationen nachwirken. Eine zu knapp kalkulierte Versorgung kann eine Hungersnot auslösen, während eine politische Krise das Reich in mehrere Lager spaltet. Der Aufbau einer Zivilisation ist damit nicht beendet, sobald ein paar Gebäude stehen. Die schwierigere Aufgabe besteht darin, Menschen mit unterschiedlichen Interessen dauerhaft zusammenzuhalten.
Die Ancients haben den Untergang überlebt
Eine besondere Gefahr bilden die Ancients. Diese Herrscher stammen noch aus der Zeit vor dem Fall und wurden mithilfe vergessener Technologie am Leben erhalten. Sie verfügen über mächtige Relikte, kontrollieren eigene Reiche und haben klare Vorstellungen davon, wem die Zukunft gehören soll.
Die Auseinandersetzung mit ihnen dürfte an die gefallenen Reiche aus „Stellaris“ erinnern, bleibt aber näher am Boden. Statt gewaltiger Raumflotten treffen im Ödland Konvois, improvisierte Armeen und alte Kriegsmaschinen aufeinander. Manche Relikte können das eigene Reich entscheidend stärken. Dieselbe Technik war allerdings bereits am ersten Untergang beteiligt und könnte auch die neue Welt wieder zerstören.
Allein, gegeneinander oder gemeinsam
Die Kampagne lässt sich allein spielen. Darüber hinaus bestätigt die offizielle Entwicklerseite von „Afterworld“ sowohl kompetitiven Multiplayer als auch einen Koop-Modus. Wie die gemeinsame Verwaltung eines Reiches oder die Zusammenarbeit mehrerer Stämme genau funktioniert, hat Paradox noch nicht ausführlich erklärt.
Hinter dem Projekt steht Game Director Dan Lind, der zuvor zu den prägenden Entwicklern von „Hearts of Iron 4“ gehörte. Erste Entwürfe für seine postapokalyptische Strategieidee entstanden nach eigenen Angaben bereits 2012. Für Paradox Development Studio ist „Afterworld“ zugleich die erste neue, nicht historische Spielwelt seit rund einem Jahrzehnt.
Wann erscheint „Afterworld“?
Ein konkretes Erscheinungsdatum wurde noch nicht bekannt gegeben. Paradox nennt bislang lediglich PC als Plattform; auf Steam kann „Afterworld“ bereits zur Wunschliste hinzugefügt werden. Ob weitere Verkaufsplattformen oder Konsolenversionen folgen, ist offen.
Die Ausgangsidee passt jedenfalls erstaunlich gut zu Paradox: Andere Endzeitspiele fragen häufig, ob eine kleine Gruppe den nächsten Winter überlebt. „Afterworld“ setzt noch eine zweite Frage dahinter. Was passiert, wenn diese Menschen tatsächlich erfolgreich sind und aus ihrer notdürftigen Siedlung wieder eine Nation wird? Dann reicht es nicht mehr, Wasser zu sammeln und Plünderer abzuwehren. Irgendjemand muss entscheiden, nach welchen Regeln die neue Welt leben soll – und ob sie aus den Fehlern der alten überhaupt etwas gelernt hat.