Cold Storage
Travis nennt sich selbst lieber „Teacake" und schiebt Nachtschichten in einem riesigen Kühlwarenlager auf einem stillgelegten Militärgelände. Gemeinsam mit seiner Kollegin Naomi ist er für die Bewachung von Einrichtungen zuständig, die auf den ersten Blick nicht weiter auffallen. Bis zu jener Nacht, in der eine unscheinbare Tür in den Untergeschossen einen Riss bekommt.
Tief unter dem Lager lagert seit Jahrzehnten eine biologische Substanz, die das Militär nach einem Zwischenfall in den 1980ern unter Verschluss genommen hat: ein Pilzorganismus, der unter dem Codenamen RHIZA klassifiziert wurde. Solange er kalt gehalten wird, bleibt er inaktiv. Doch ein Systemausfall lässt die Temperatur steigen – und damit beginnt das eigentliche Problem. RHIZA wächst, verbreitet sich und findet schnell einen Weg in menschliche Wirte. Wer infiziert wird, verliert innerhalb kurzer Zeit jede Kontrolle über sich. Die Betroffenen folgen nur noch dem Trieb des Pilzes: Ausbreitung um jeden Preis.
Travis und Naomi sind plötzlich eingesperrt mit etwas, das sich durch die Lüftungsschächte und Kühlsektionen frisst. Hilfe kommt von unerwarteter Seite: Robert Quinn, ein ehemaliger Bioterror-Agent im Ruhestand, der RHIZA besser kennt als irgendjemand sonst. Er war dabei, als der Pilz das erste Mal auftauchte, und weiß, wozu er in der Lage ist, wenn er unkontrolliert nach draußen gelangt. Quinn arbeitet sich von außen in das Gelände vor, während drinnen die Lage mit jeder Minute eskaliert.
Was den Film von vielen anderen Zombie- und Infektionsszenarien unterscheidet, ist der Ton. „Cold Storage" nimmt seine Prämisse ernst genug, um echte Spannung zu erzeugen, weicht aber immer wieder in schwarzen Humor aus, der die Geschichte auflockert, ohne den Ernst der Situation zu untergraben. Die Kombination aus Horrorfilm und Komödie funktioniert, weil die Figuren trotz des Wahnsinns um sie herum glaubwürdig und greifbar bleiben.
Joe Keery spielt Teacake mit einer Mischung aus Überforderung und überraschender Entschlossenheit, die den Charakter sofort sympathisch macht. Georgina Campbell gibt Naomi eine eigene Stimme und bleibt auch in Extremsituationen nicht zur Nebenfigur degradiert. Das eigentliche Gewicht trägt jedoch Liam Neeson als Quinn – ruhig, präzise, mit einer Vergangenheit, die in jeder Szene spürbar mitschwingt.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Koepp aus dem Jahr 2019, der auch das Drehbuch verfasste. Die Vorlage merkt man: Die Handlung ist straff konstruiert, die Bedrohung konsequent eskalierend, und die Figuren haben Tiefe jenseits ihrer Funktion im Plot. Regisseur Jonny Campbell inszeniert das Ganze mit einem sicheren Gespür für Tempo und lässt den Pilz selbst zur eigentlichen Hauptfigur der Geschichte werden – still, geduldig und unaufhaltsam.
„Cold Storage" ist kein Film, der mit Blut und Schocks um sich wirft. Die Stärke liegt im Aufbau von Bedrohung und im Gefühl, dass das hier aus den Fugen gerät – langsam, aber sicher. Für alle, die Zombiefilme mögen, aber auch einen guten Grund wollen, warum die Untoten diesmal auf zwei Beinen laufen, ist das eine der überzeugenden Variationen des Genres in den letzten Jahren.